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Aktuelles

Interview mit Prof. Heribert Kentenich mit Beatrix Fricke in der Berliner Morgenpost

„Das Wichtigste beim Kinderwunsch ist, sein Leben normal weiterzuführen“

Das rät Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich seinen Patienten

BEATRIX FRICKE

Prof. Dr. Heribert Kentenich ist Spezialist für Reproduktionsmedizin und Psychosomatische
Frauenheilkunde im Fertility Center Berlin. Wir sprachen mit ihm über die Möglichkeiten und Grenzen der Medizin bei ungewollter Kinderlosigkeit und den Alltag in einer Kinderwunsch-Praxis.


Berliner Morgenpost: Herr Prof. Kentenich, ab welchem Zeitpunkt ist man eine Fall fürs Kinderwunsch-Zentrum?
Heribert Kentenich: Wenn ein Paar mit Kinderwunsch ein- bis zweimal pro Woche ungeschützten Verkehr hat und die Frau nach einem Jahr nicht schwanger ist, sollte man eine Beratung aufsuchen. Anders ist es, wenn schon ein Grund für die Unfruchtbarkeit bekannt ist, etwa ein Mann keine gute Spermienqualität hat. Dann sollte man gleich Hilfe in Anspruch nehmen. 

Hat ungewollte Kinderlosigkeit vor allem körperliche oder auch psychischeUrsachen? 
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es keine psychischen Ursachen für Sterilität gibt. Mit anderen Worten: Stress macht nicht unfruchtbar, auch wenn sich darum viele Mythen ranken. So heißt es oft, dass der berühmte „Knoten im Kopf“, die Fixierung auf den Kinderwunsch oder ein sehr starkes Leiden unter Kinderlosigkeit die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Das ist aber nicht so, es sei denn, der Stress verändert die Regelblutung. Das ist bei Magersucht und Übergewicht so. Natürlich führt aber ein unerfüllter Kinderwunsch dazu, dass man sich nicht wohl fühlt. Er kann auch als Folge Depressionen verursachen. Daher muss man als Arzt die Psyche immer mit im Auge haben. 

Wenn der Erfolgsdruck keine Rolle spielt: Wie erklärt es sich dann, dass Frauen, die mit ihrem Kinderwunsch abgeschlossen haben, plötzlich doch schwanger werden? 
Das ist Zufall, denn sie sind ja nicht komplett unfruchtbar. Vielleicht haben diese Frauen dann einfach mehr Sex. Ich sage auch den Paaren, die bei uns in Behandlung sind, dass sie unabhängig davon ihre natürliche, lustgeführte Sexualität erhalten sollten. Die spontane Schwangerschaftsrate nach Abschluss der Kinderwunschbehandlung liegt bei immerhin 20 Prozent, wenn man ein- bis zweimal pro Woche ungeschützten Verkehr hat. Leider sind viele Paare mit dringendem Kinderwunsch auf plangeführten Sex fixiert. 

 

Wie groß ist denn die Chance, mithilfe der Medizin seinen Kinderwunsch erfüllt zu bekommen? 
Von den Betroffenen und in der Öffentlichkeit wird die Chance gern überschätzt. Der Mensch geht ja grundsätzlich vom Positiven aus. Fakt ist: Die Geburtenrate pro Versuch mit künstlicher Befruchtung liegt in Deutschland bei 20 Prozent. Wenn ein Paar drei Versuche unternimmt, bekommen 42 Prozent davon Nachwuchs. 

Und wie viele Paare nehmen Hilfe in Anspruch? Pro Jahr sind hierzulande 57.000 Versuche mit In-vitro-Fertilisation oder ICSI registriert. Hinzu kommen rund 20.000 Behandlungen mit eingefrorenen Eizellen. Der Anteil der Patienten, die zu einer Untersuchung und Beratung kommen, ist allerdings doppelt so hoch. So ist das auch bei uns im Fertility Center Berlin. Wir haben im vergangenen Jahr 1300 künstliche Befruchtungen durchgeführt und 5000 neue Patienten registriert. Die Schwangerschaftsrate pro Transfer liegt bei uns bei 40 Prozent.

Was ist mit den Paaren, die trotz Behandlung kinderlos bleiben? Sind es viele? Und gibt es den Trend, alles medizinisch Mögliche zu versuchen? 
In Mitteleuropa sind sieben bis neun Prozent der Paare ungewollt kinderlos. Bei einem Viertel dieser Paare sind die Ursachen
nicht bekannt. Das liegt am Stand der Wissenschaft. Es ist ja auch nicht abschließend geklärt,
warum ein Mensch Krebs bekommt und der andere nicht. Oft sind die Versuche aber aus Altersgründen erfolglos, also weil die Frau schon über 40 ist. Diesen Patientinnen sage ich, dass eine In-vitro-Fertilisation mit eigenen Eizellen nur noch eine sehr begrenzte Erfolgsquote hat. Dann ist es womöglich besser aufzuhören oder eine Eizellenspende in Betracht zu ziehen, die in Deutschland allerdings verboten ist. 

Wie viel psychologische Hilfe ist  gefragt? 
Es gibt keine Medizin ohne Psyche. Daher haben wir auch zwei Psychologinnen in unserem Zentrum, die gerade dann beraten, wenn drei Versuche erfolglos waren. Vor allem Frauen machen sich Druck und wollen es unbedingt weiter versuchen. 

Wie kann man sich von Druck freimachen? Und sollte man seinem Umfeld von einer Kinderwunschbehandlung erzählen? 
Das Wichtigste ist, sein Leben ganz normal weiterzuführen. Also zu arbeiten, in den Biergarten zu gehen, Sex zu haben. Und wenn ein Versuch nicht geklappt hat, ein bis zwei Monate zu warten und dann erst wieder in die Praxis zu kommen. Was das Reden angeht: Grundsätzlich ist Offenheit ja bei allen Problemen im Leben besser als Verschwiegenheit. Aber man muss auch nicht jedem alles unter die Nase binden. 

Ist die finanzielle Unterstützung ausreichend und hat die Kostenübernahme Einfluss auf die Nutzung der Fortpflanzungsmedizin? 
Da gibt es Verbesserungsbedarf. Es wäre gut, wenn drei Versuche wieder voll bezahlt wurden. Seit 2004 übernehmen die meisten gesetzlichen Kassen ja nur noch die Hälfte der Kosten von insgesamt 3000 bis 4000 Euro, und das auch nur bei Ehepaaren. Das bestraft unverheiratete Paare, und eine Summe von 1500 bis 2000 Euro können viele Menschen nur schwer aufbringen, was die Anzahl der Versuche begrenzt. Manche Bundesländer geben beim zweiten und dritten Versuch einen finanziellen Zuschuss, auch Berlin gehört dazu, das finde ich gut. 

Ihr größter Erfolg? 
Ich rufe meine Patienten immer persönlich an, um ihnen das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung zu übermitteln. Und wenn die Nachricht positiv ist, freue ich mich jedes Mal aufs Neue.

Prof. Kentenich Interview bei zuio.tv zu Eizellenspendenverbot

Embryoscope bei uns

Embryonen können im Fertility Center Berlin mit dem Embryoscope beobachtet werden! Dadurch erzielten wir eine Steigerung der Schwangerschaftsrate pro Transfer von 40% im ersten Halbjahr 2013 auf 43,1% in 2014. Und im 1. Quartal 2015 erreichten wir bereits 48,8%! 

Weltweit wurden bisher nur einmal am Tag die Eizellen und Embryonen auf ihr Wachstum hin überprüft. Dadurch konnte man feststellen, ob es zu einer Befruchtung gekommen war und ob die Embryonen sich regelrecht entwickelten. Das Embryoscope ist ein Brutschrank mit Kamera, bei dem alle 20 Minuten 7-8 Aufnahmen vom Embryo gemacht werden, so dass die Embryonen in ihrem Wachstum kontinuierlich untersucht werden. Dies erlaubt noch besser als bisher den besten Embryo für den Transfer zu identifizieren und auch festzustellen, ob ein Embryo gar nicht zur Schwangerschaft fähig ist.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Schwangerschaftsrate dadurch noch einmal um 10-20% gesteigert werden kann.

Blastozystentransfer

18. Mai 2013

Blastozystentransfer

Weniger als die Hälfte der befruchteten Eizellen hat überhaupt die Fähigkeit, sich zu einem Embryo zu entwickeln, der auch zu Schwangerschaft und Geburt führen kann.

Viele Embryonen sterben schon in den ersten zwei Tagen im Brutschrank ab, so dass sie auch gar nicht mehr für den Transfer in die Gebärmutter zur Verfügung stehen. 

Wenn sich aber die befruchteten Eizellen zu qualitativ guten Embryonen entwickeln, dann hat die Frau eine höhere Schwangerschaftsrate, wenn man 1 (höchstens 2) Embryo (nen) nicht schon am Tag 2 oder 3, sondern im Blastozystenstadium am Tag 5 transferiert.

Allerdings muss dies in Übereinstimmung mit dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland stehen, welches eine Vorratsbefruchtung verbietet. Es ist aber möglich, durch sorgsame Beobachtung der Eizellen, der Zellen im Vorkernstadium und Embryonen, Frauen die Möglichkeit des Blastozystentransfers zu ermöglichen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Bitte sprechen Sie Ihre Ärztin/Arzt an, ob der Blastozystentransfer für Sie einen Vorteil hat.

Selbstverständlich ist der Transfer von Blastozysten an Tag 5 oder 6 bei uns nicht mit zusätzlichen Kosten für Sie verbunden.